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05.12.2018
FLUG REVUE

Flugauto Pop.Up NextAudi, Airbus und Italdesign testen Flugtaxi-Konzept

Audi, Airbus und Italdesign zeigten Ende November auf der Drone Week in Amsterdam erstmals ein fahrendes und fliegendes 1:4-Modell des „Pop.Up Next“. Das neuartige Flugtaxi-Konzept kombiniert ein selbstfahrendes Elektroauto mit einer Passagierdrohne. Schon bald könnten die ersten echten Prototypen folgen.

Pop.Up.Next Audi November 2018 Airbus

Audi, Airbus und Italdesign zeigen auf der Drone Week in Amsterdam erstmals einen fliegenden und fahrenden Prototypen des „Pop.Up Next“ im Maßstab 1:4. Beim ersten öffentlichen Testflug hat das Flugmodul eine Passagierkapsel zielsicher auf der Fahrzeugplattform abgesetzt. Diese fuhr anschließend autonom vom Testgelände (Foto: Audi).

Airbus, Italdesign und Audi wollen die individuelle Mobilität in die Luft bringen. Das Ergebnis dieses Gemeinschaftsplans ist das Flugtaxi-Projekt Pop.Up, das 2017 als Konzeptstudie auf dem Genfer Autosalon Premiere feierte und ein Jahr darauf ebenfalls in Genf als Weiterentwicklung Pop.Up Next zu sehen war. Die Idee: nicht nur die Straße, sondern auch den Luftraum zum Fortbewegen nutzen – und zwar mittels Drohne.

Die Idee hinter dem Konzept

Kernstück des ehgreizigen Projekts ist eine zweisitzige Passagierkabine. Je nach Einsatzzweck kann sie entweder mit einem fahrbaren Automodul oder mit einem Flugmodul gekoppelt werden. Eines (eher fernen) Tages sollen Pendler so zu speziellen Start- und Landeplätzen fliegen, um anschließend per Fahrmodul auf der Straße weiterzufahren. Aktiv eingreifen müssen die Passagiere dabei nicht - Pop.Up Next fährt und fliegt vollständig autonom. Der Antrieb erfolgt elektrisch via Akku.

Erste Tests mit 1:4-Modell

Lufttaxi Pop.Up Next im Flug durch die Stadt

Mit Pop.Up Next könnte das Stauproblem in Ballungsräumen womöglich bald entschärft werden. Foto und Copyright: Audi

Auf der Drone Week in Amsterdam ging Pop.Up Next nun tatsächlich zum ersten Mal in die Luft – allerdings „nur“ als 1:4-Modell. Die Vorstellung mutete dennoch beeindruckend an: Zielsicher setzte das Flugmodul bei diesem ersten öffentlichen Testflug seine Passagierkapsel auf der Fahrzeugplattform ab. Diese fuhr anschließend autonom vom Testgelände. Dr. Bernd Martens, Audi-Vorstand für Beschaffung/IT und Präsident der Audi-Tochter Italdesign, erklärte zufrieden: „Mit dem Pop.Up Next loten wir die Grenzen des technisch Machbaren aus. Im nächsten Schritt soll ein Prototyp in voller Größe fliegen und fahren.“


Die Kapsel: gewichtsoptimiert und voller Elektronik

Wie dieser Prototyp in etwa aussehen soll, lässt sich anhand der im Frühjahr in Genf gezeigten Studie gut erahnen. Die Fahrgastkapsel kennzeichnet sich vor allem durch unzählige Sensoren und Kameras sowie einen Touchscreen mit 49 Zoll großem Display. Per Gesichtserkennung kann der berechtigte Fahrer bzw. Pilot erkannt und freigeschaltet werden. Gewichtsoptimiertes Gestühl aus Aluminium und Mesh-Struktur sollen zu einer möglichst geringen Masse beitragen. Das Interieur-Design der Kapsel stammt von Airbus, wurde Unternehmensangaben zufolge aber auf die Audi-Designsprache abgestimmt. Airbus kümmert sich außerdem federführend um die Aerodynamik des Flugmoduls. Hier geht es vor allem darum, die vier Rotoren der Drohne möglichst energieeffizient arbeiten zu lassen.

Sicherheit steht an erster Stelle

Lufttaxi Pop.Up Next im Einsatz

Bei der Realisierung von Pop.Up Next arbeiten Airbus, Audi und Italdesign eng zusammen. Foto und Copyright: Italdesign / Airbus

Als besondere Herausforderung für Ingenieure und Designer gleichermaßen kristallisierte sich außerdem die Kopplung der Passagierkapsel mit den beiden Fortbewegungs-Modulen heraus. Nicht zuletzt spielt hier die Sicherheit eine entscheidende Rolle: Ein Flug soll erst dann möglich sein, wenn die Kapsel absolut fest mit der Drohne verbunden ist.

Serienreife in den nächsten zehn Jahren?

Wann Fortbewegungsmittel wie das Projekt Start.Up Next tatsächlich unseren Alltag bevölkern werden, steht aktuell noch in den Sternen. Doch schon im nächsten Jahrzehnt, so heißt es bei Audi, könnten Kunden einen komfortablen und effizienten Flugtaxi-Service in Großstädten nutzen – multimodal, in der Luft und auf der Straße. „Flugtaxis werden kommen. Davon sind wir bei Audi überzeugt“, sagt Dr. Bernd Martens. „Immer mehr Menschen ziehen in die Städte. Und durch Automatisierung werden immer mehr Menschen mobil sein. Gerade die Älteren, Kinder oder Menschen ohne Führerschein werden in Zukunft gerne bequeme Robotertaxis nutzen.“

Fahr- oder Flugmodul on demand

Italdesign-Chef Jörg Astalosch sieht im Pop.Up Next vor allem ein Modell für ein On-Demand-Geschäft. Die Kapsel könnte dem Pendler gehören, der sich je nach Örtlichkeit ein Fahr- oder ein Flugmodul für seine Strecke bucht. „Die Spielregeln urbaner Mobilität definieren künftig verschiedene Akteure“, erklärt er. „Wir sind stolz darauf, mit Airbus an Lösungen für urbane Mobilität zu forschen.“ Auch für Airbus kommt ein Projekt wie Pop.Up Next wie gerufen, denn für den Verkehr in den Städten der Zukunft haben klassische Flugzeugbauer bisher kaum zielführende Konzepte entworfen.

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