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04.12.2018
FLUG REVUE

Kameraüberwachung aus der FerneTowerlotsen von Saarbrücken sitzen in Leipzig

Die Towerlotsen der DFS kontrollieren seit Dienstag den Flughafen Saarbrücken von Leipzig aus. Das Leipziger "Remote Tower Control Center" hat dank hochauflösender Video- und Infrarotkameras immer einen Überblick über den Verkehr in der Luft und am Boden.

Tower und Abfertigungsgebäude Saarbrücken

Im Tower von Saarbrücken sitzen künftig keine Fluglotsen mehr. Stattdessen überwachen ab sofort Lotsen aus Leipzig per Kamera den Hauptstadtflughafen des Saarlands. Foto und Copyright: Flughafen Saarbrücken

Saarbrücken sei der weltweit größte Airport, der im täglichen Betrieb aus der Ferne überwacht werde, teilte die Deutsche Flugsicherung GmbH (DFS) mit. Nach einer vierwöchigen Einführungsphase werde "Remote Tower Control" in den Regelbetrieb überführt. In den nächsten Jahren wolle die DFS die neue Technik auch an den Flughäfen Erfurt und Dresden einführen.

Auch ohne den Blick aus dem Tower haben die Fluglotsen an ihrem neuen Arbeitsplatz den Verkehr in Saarbrücken im Blick. Ein Verbund aus Video- und Infrarotkameras liefert ihnen permanent ein 360-Grad-Bild des Flughafens. Das Panoramabild wird auf einer Monitorreihe über dem Arbeitsplatz dargestellt; den Bildausschnitt können die Lotsen frei wählen. Außerdem wurden schwenk- und neigbare Video- und Infrarotkameras in Saarbrücken installiert, mit denen sich Details heranzoomen lassen. Zur Ausstattung gehören auch statische Kameras zur Vorfeldüberwachung.

Durch die Infrarottechnik haben die Fluglotsen eine deutlich verbesserte Sicht, vor allem bei schlechtem Wetter oder Dunkelheit. Zusätzlich unterstützt das Remote-Tower-Control-System die Lotsen bei ihrer Arbeit: Es erkennt Bewegungen automatisch und hebt Flugzeuge in der Luft wie am Boden, aber auch Fahrzeuge auf den Monitoren hervor. Die startenden und landenden Flugzeuge lassen sich mit den beweglichen Kameras manuell oder automatisch verfolgen. Aus Sicherheitsgründen sind alle optischen Funktionen redundant ausgelegt. Die Kameras sind in einem beheizbaren Gehäuse untergebracht und verfügen über eine automatische Reinigungsfunktion. Sie wurden auf einem Kameraturm in Sichtweite des alten Towers installiert.

„Unser Remote-Tower-Control-System steht für Innovation und ist ein Beispiel für den Einsatz neuer digitaler Technologien im Bereich Luftverkehr“, sagte Prof. Klaus-Dieter Scheurle, Vorsitzender der DFS-Geschäftsführung. „Damit verbessern wir unsere Effizienz und erfüllen unverändert die hohen DFS-Sicherheitsanforderungen. Mit unserem System sind wir nun erstmals in der Lage, einen internationalen Flughafen rund um die Uhr von einem entfernten Standort aus zu kontrollieren.“

Ihr Remote-Tower-System hat die DFS gemeinsam mit dem österreichischen Technologieunternehmen Frequentis entwickelt; die Video- und Infrarotsensoren stammen vom deutschen Konzern Rheinmetall Defence Electronics. Insgesamt nahm die Entwicklung vier Jahre in Anspruch. Für die nationale und internationale Vermarktung des DFS-Remote-Tower-Systems haben die DFS-Tochter DFS Aviation Services GmbH und Frequentis das gemeinsame Tochterunternehmen Frequentis DFS Aerosense GmbH gegründet.

Insgesamt sind zehn Saarbrücker Lotsen nach Leipzig gewechselt. In den nächsten Jahren will die DFS auch die Kontrolle der Flughäfen Erfurt und Dresden nach Leipzig verlagern. Durch eine entsprechende Ausbildung sollen die Fluglotsen die Berechtigung nicht nur für einen, sondern Schritt für Schritt für alle drei Flughäfen erwerben. Dadurch kann die DFS ihr Personal effizienter einsetzen und auf Veränderungen flexibler reagieren. Außerdem sinkt der Aufwand für die Inbetriebhaltung von Gebäuden und der dazugehörigen Infrastruktur. So wäre am Flughafen Saarbrücken der Neubau eines Kontrollturms notwendig gewesen, auf den die DFS nun verzichten kann.

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