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05.02.2018
FLUG REVUE

European Aviation NetworkLTE-Bodennetz ist betriebsbereit

Das von der Deutschen Telekom, Inmarsat und Nokia entwickelte European Aviation Network (EAN) soll schon bald beim Erstkunden British Airways für zuverlässiges und schnelles Internet an Bord sorgen.

Die Bodenkomponente des EAN ist für den Beginn des kommerziellen Betriebs bereit, wie die Deutsche Telekom, Inmarsat und Nokia am Montag in einer gemeinsamen Pressekonferenz mitteilten. Das Bodennetz besteht aus rund 300 LTE-Stationen, die über die 28 EU-Mitgliedsstaaten sowie Norwegen und die Schweiz verteilt sind.

Damit steht der Inbetriebnahme des EAN noch in der ersten Jahreshälfte nach Angaben der drei Unternehmen nichts mehr im Wege. Der Erstkunde ist die International Airlines Group (IAG), die mehr als 300 Kurz- und Mittelstreckenflugzeuge mit dem entsprechenden Bordequipment ausstatten lassen will. Die erste Airline, die das neue Internetangebot an Bord einführt, ist British Airways. Laut Inmarsat will auch die Lufthansa Group das EAN testen, genauere Angaben machte der Telekommunikationsdienstleister allerdings nicht.

Das EAN kombiniert einen S-Band-Satelliten von Inmarsat mit dem LTE-Bodennetz. „Für das EAN-Bodennetz gelten ganz andere Anforderungen als für gewöhnliche LTE-Netze: Die Verbindung soll bei bis zu 1.200 km/h in zehn Kilometern Höhe funktionieren, und die Funkzellen müssen bis zu 150 km groß sein“, so Thorsten Robrecht, Vice President Vertical Network Slices von Nokia. Im Herbst 2017 führten Telekom und Inmarsat Testflüge durch, um die das integrierte Netzwerk zu erproben.

Konkurrenz klagt gegen EAN

Die Antennen und das Bordequipment für das EAN wurden von Thales entwickelt. Zwei kleine und leichte LTE-Antennen sind unten am Flugzeugrumpf installiert, oben auf dem Rumpf befindet sich das Sende- und Empfangsterminal für den Satelliten. Die EAN-Technik lässt sich nach Angaben der Telekom schnell und einfach installieren: Für einzelne Flugzeuge genüge eine nächtliche Flugpause, ganze Flotten ließen sich innerhalb weniger Monate ausrüsten. Im Flugzeug selbst werden die Daten über Wlan verteilt. Das Bordsystem wählt automatisch die bessere Verbindung. Datenraten von mehr als 75 Mbit/s pro Zelle sind laut Telekom möglich.

Der Inmarsat-Satellit wurde Ende Juni 2017 von einer Ariane 5 in seine Umlaufbahn gebracht und getestet. Seit September 2017 ist er laut Inmarsat voll funktionsfähig. Ursprünglich sollte der Pilotbetrieb des EAN bereits im Sommer 2017 beginnen. Allerdings führte die Explosion einer Falcon-Rakete von SpaceX Anfang September 2016 zu einer Startverschiebung des Satelliten. Schließlich buchte Inmarsat von SpaceX auf Arianespace um, was zu einer weiteren Verzögerung führte.

Derweil versucht auch der Inmarsat-Konkurrent ViaSat, die Einführung des EAN zu verzögern. Der US-Telekommunikationsdienstleister hat bei der EU-Kommission Klage eingereicht. Nach Meinung von ViaSat ist das Bodensegment des EAN nicht nur Ergänzung des Satelliten, sondern das primäre Mittel der Datenübertragung. Das verstoße gegen verschiedene Gesetze der EU und Großbritanniens.


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